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Das Arten-Lexikon
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Die Gattung Apis  - Honigbienen

1 Art im Gebiet (D: 1; A: 1; CH: 1), die bereits im Feld sicher erkannt werden kann.

online seit: April 2005
Apis mellifera  Linné 1758
Gattung
:
Apis
Species
:
mellifera
Synonyme
:
-
dt. Bezeichnung
:
Honigbiene
Gefährdung CH
:
n.
Legende
Gefährdung D
:
n.
Legende
Kennzeichen:

Königin 15-18mm; Arbeiterin 11-13 mm; ♂ (Drohne) 12-16mm. Einheitlich braun gefärbt mit hellen Filzbinden am Grund der Tergite. Hinterleibsbasis bei gewissen Rassen rötlich aufgehellt. ♀ ähnelt großen Andrena-Arten sowie Colletes cunicularius, ist aber durch die langgestreckte Radialzelle im Vorderflügel, das Vorhandensein eines Körbchens auf der Außenseite der Hinterschiene sowie durch die mitten nicht flache, sondern in Längsrichtung gekielte Bauchseite leicht zu unterscheiden. ♂ durch die riesigen, sich auf dem Scheitel berührenden Augen unverwechselbar.

Biologie:

Flugzeit: III-X. Während die ♂♂ unmittelbar nach der Paarung im Sommer strerben, überwintern die Königin sowie die im Spätsommer geschlüpften Arbeiterinnen in der Nisthöhle in einer dichten Traube.

Geräumige Baumhöhlen oder kleine Felshöhlen dürften früher die bevorzugten Nistplätze der Honigbiene in Mitteleuropa gewesen sein. Heute kommt die Art in  Mitteleuropa nicht mehr wild vor, entflogene Schärme können sich aber längere Zeit in hohlen Bäumen, Nistkästen u. ä. halten. Die Honigbienen bauen ihre Zellen aus Waschs, das in speziellen Hautdrüsen produziert und in Form kleiner Schüppchen zwischen den Bauchsegementen des Hinterleibes ausgeschieden wird. Die horizontale orientierten Zellen haben eine regelmäßig sechseckige Form. Sie werden zu scheibenförmigen, zweischichtigen Waben zusammengefügt, die zu mehreren dicht nebeneinander von der Decke der Nisthöhle herabhängen. Die Zellen dienen sowohl der Aufzucht der Brut als auch der getrennten Speicherung von Honig und Pollen, wobei Brut- und Vorratsbereiche in unterschiedlichen Wabenbezirken liegen. Risse und Fremdkörper im Inneren der Nisthöhle werden mit Harz (Propolis) ausgekleidet, das antimikrobielle Eigenschaften besitzt und an Baumwunden oder Knospenschuppen gesammelt wird. Honigbienen stellen die Temperatur im Brutbereich konstant auf einer Höhe von 34°C ein. Bei tiefen Außentemperaturen wird eine Erwärmung des Brutbereiches durch Vibration der indirekten Flügelmuskulatur erreicht, bei hohen Temperaturen kühlen die Honigbienen die Nisthöhle durch das Verdunsten von eingetragenem Wasser. Auch während des Winters wird im Traubeninnern eine konstante Temperatur von gegen 30°C eingehalten, wobei die Energie für die Erzeugung der Wärme aus den im Herbst eingelagerten Honigvorräten stammt. Die Nisthöhle wird aggressiv gegen Eindringlinge verteidigt. Bei Gefahr produzieren die Arbeiterinnen in ihrer Stachelkammer ein Pheromon, das ihre Geschwister alarmiert und sie zur Nestverteidigung veranlaßt.

Die Honigbiene ist die einige hoch eusoziale Bienenart Mitteleuropas. Ihre Staaten bestehen aus einer Königin, aus bis zu 80 000 Arbeiterinnen und zeitweise aus mehreren hundert ♂♂. Die Königin, die eine Lebensdauer von vier bis fünf Jahren erreicht und zeitlebens von Arbeiterinnen mit Bienenmilch (s. unten) gefüttert wird, legt als einzige Biene in der Kolonie Eier. Pro Tag produziert sie bis zu 1 500 Stück. Durch ein Pheromon aus ihren Mandibulardrüsen verhindert sie die Ovarienenentwicklung bei ihren Töchtern. Die Arbeiterinnen leisten mit Ausnahme des Eierlegens alle übrigen Tätigkeiten, die zum Aufbau der Kolonie notwendig sind. Dabei durchläuft jede Arbeiterin währen ihres vier bis sechs Wochen dauernden Lebens eine festgelegte Abfolge unterschiedlicher Tätigkeiten: vorerst Reinigung alter Brutzellen, danach Fütterung der Larven, in der Folge Bau von Brutzellen, anschließend Verteidigung des Nestes und schließlich Sammeln von Blütenprodukten, Propolis und Wasser. Die Arbeiterinnen produzieren in ihren Hypopharyngealdrüsen nach Aufnahme von Pollen ein Sekret (Bienenmilch), das forlaufend in die Brutzellen mit jungen Larven gegeben wird und anfänglich die einzige Nahrung der Larven darstellt. Während die Königinnen-Larven während ihrer gesamten Entwicklung ausschließlich Bienenmilch (Gelee royal) erhalten, werden ältere Larven, die sich zu Arbeiterinnen oder Drohnen entwickeln, zusätzlich direkt mit Pollen und Honig gefüttert. Die Brutzellen bleiben bei der Honigbiene während der Larvenentwicklung stets offen und werden erst kurz vor der Verpuppung mit Wachs verdeckelt. Die Larven spinnen einen Kokon. Die Entwicklung vom Ei bis zum geflügelten Insekt dauert bei der Königin 16, bei der Arbeiterin 21 und beim ♂ 24 Tage.

Neue Kolonien der Honigbiene entstehen durch die Abspaltung (Schärmen) eines Teiles des Volkes. Im späteren Frühling bauen die Arbeiterinnen meist im Randbereich der Wabe mehrere, größere, nach unten gerichtete Brutzellen (Weiselzellen) mit wabig strukturierten Wänden, in denen sich je eine Königin entwickelt. Einige Tage vor dem Schlüpfen der Jungköniginnen verläßt die alte Königin zusammen mit rund der Hälfte der Arbeiterinnen die Nisthöhle. Sie lassen sich als Traube offen an einem Zweig nieder und ziehen, nachdem spezialisierte Arbeiterinnen eine geeignete Behausung gefunden haben, in die neue Nisthöhle um. Die erste im alten Stock aus ihrer Zelle geschlüpfte Jungkönigin tötet zuerst alle ihre Schwestern, verläßt darauf die Nisthöhle für die Paarung und wird nach ihrer Rückkehr zur neuen Königin des alten Bienenvolkes. In zeitlicher Abstimmung mit der Erzeugung von Jungköngiginnen entwickeln sich im späteren Frühling und Frühsommer aus unbefruchteten Eiern der Königin ♂♂, welche den Stock zum Paarungsflug verlassen. Da sich diese nicht selber auf Blüten verköstigen können, kehren sie regelmäßig in das Nest zurück, wo sie von den Arbeiterinnen gefüttert werden.

Pollentransporteinrichtung: Körbchen auf der Außenseite der Hinterschiene. Feuchtsammler. Die Honigbiene ist ausgesprochen polylektisch. Die einzelnen Individuen verhalten sich auf ihren Sammelflügen aber in hohem Maß blütenstet. Pollen und Nektar wird auf getrennten Flügen gesammelt. Neben diesen beiden Blütenprodukten werden auch die zuckerhaltigen Ausscheidungen (Honigtau) von Blatt- und Rindenläusen eingetragen. Durch Eindickung des Nektars bzw. Honigtaus und Zugabe von Enzymen aus den Labialdrüsen, die den Rohrzucker der Ausgangsstoffe in Trauben- und Fruchtzucker spalten, entsteht Honig. Zwischen den Arbeiterinnen herrscht ein ständiger Futteraustausch. Einzigartig ist die "Tanzsprache", mit der die Honigbienen untereinander Informationen über ergiebige Futterquellen austauschen. Dabei vollführt eine von einem Sammelflug  zurückgekehrte Arbeiterin auf der Wabe in Anwesenheit weiterer Bienen festgelegte  Lauffiguren. Weniger als 50-100 m  von der Nisthöhle entfernte Nahrungsquellen werden durch den Rundtanz angezeigt, der keine exakten Informationen über die Entfernung und die Richtung der Nahrungsquelle enthält. Die durch den Rundtanz zum Ausfliegen veranlassten Arbeiterinnen suchen die nähere Umgebung des Nestes systematisch nach dem Blütenduft ab, welcher der Tanzbiene anhaftete. Bei weiter entfernten Futterplätzen tanzt die Sammlerbiene den Schwänzeltanz. Bei diesem signalisiert das Tanztempo die Entfernung der Futterquelle vom Nest; die Tanzrichtung bezüglich der Wabensenkrechten gibt den Winkel zwischen Futterquelle und Sonnenstand, d.h. die Richtung  an. Dank der Tanzsprache kann das Bienenvolk rasch auf das dauernd wechselnde Nahrungsangebot reagieren und sich beispielsweise kurzfristig auf die Ausbeutung eines frisch aufblühenden Baumes oder einer plötzlich einsetzenden Honigtautracht konzentrieren.

Aufgrund ihres hohen Bedarfes an Pollen und Nektar, der einerseits in der hohen Individuenzahl ihrer Staaten, andererseits in der Vorratshaltung begründet liegt, übt die Honigbiene einen starken Konkurrenzdruck auf andere Bienenarten aus. Dank der Wärmeregulierung im Nest, die ihr eine längere Tagesaktivität erlaubt, dank ihrer Fähigkeit, Informationen mittels der Tanzsprache auszutauschen, sowie dank ihrer Flexibilität in Bezug auf ihre Futterquellen ist sie ihren solitären Verwandten überlegen. Eine hohe Honigbienendichte hat nachgewiesenermaßen Nahrungsengpässe bei anderen Bienen, insbesondere oligolektischen Arten, zur Folge, was über eine Verminderung der Fortpflanzungsrate schließlich zu deren lokalem Verschwinden führen kann.

Zur Paarung versammeln sich die ♂♂ aus verschiedenen Völkern an traditionellen, über Jahre hinweg benutzten Sammelplätzen, wo sie zu Hunderten in 10-25 m Höhe in der Luft auf Jungköniginnen warten, welche ihre Ankunft im Paarungsschwarm mit einem Pheromon aus der Mandibulardrüse signalisieren. Bei der Paarung stülpt das ♂ seinen monströsen Genitalapparat in die Stachelkammer der Königin und stirbt unmittelbar danach. Eine Jungkönigin paart sich mit mehreren ♂♂. Die dabei erhaltene Samenmenge reicht für die Besamung aller Eier während eines Königinnenlebens aus.

Wichtige Feinde in den Nestern der Honigbiene sind neben bestimmten Viren, Bakterien und Einzellern die Raupen der Waschsmotte Galleria mellonella (Pyralidae), die sich vom Wachs der Brutzellen und von den Futtervorräten ernähren, und die Varroa-Milben (Varroa jacobsoni), welche Körperflüssigkeit von Larven, Puppen und erwachsenen Honigbienen saugen. Bei starkem Milbenbefall kann ein Volk so stark in Mitleidenschaft gezogen werden, daß es abstirbt.

Vorkommen:        Legende

Häufig. Im Gebiet keine Verbreitungsgrenze.

online seit: April 2005