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Sandarien
Sandarien

Sandarien (Sandflächen)

 



Ein Sandbeet (Sandarium) als Nistplatz für Wildbienen und solitäre Wespen

 

Viele Wildbienen sind auf offene Sandflächen angewiesen. Rund die Hälfte aller ca. 600 in Deutschland heimischen Wildbienenarten baut ihre Nester im Boden. Zählt man die Kuckucksbienen hinzu, entwickeln sich die Larven von etwa 75 % aller Wildbienenarten im Boden. Sie benötigen trockene, sonnige und vegetationsarme Flächen, die sich leicht graben lassen. Doch genau diese Lebensräume verschwinden zunehmend – etwa durch Bebauung, Versiegelung und intensive Gartenpflege.

Eine Möglichkeit, diesen Tieren zu helfen, sind sogenannte Sandarien – künstlich angelegte Sandflächen, die bodennistenden Wildbienen als Nistplatz dienen sollen. Inzwischen findet man sie in Gärten, auf Schulhöfen und sogar auf Balkonen. Neben Wildbienen können sich dort auch andere interessante Tiere ansiedeln, wie etwa harmlose Grabwespen, flink jagende Sandlaufkäfer oder – an trockenen, überdachten Stellen – Ameisenlöwen, die raffinierte Fangtrichter bauen.

Ein Sandarium kann eine tolle Möglichkeit sein, bodennistende Wildbienen zu fördern und spannende Naturbeobachtungen zu ermöglichen. 


Sandarien im Test – Klappt das wirklich?

Theorie und Praxis sind oft zwei verschiedene Dinge. Ein Beispiel aus dem Garten von Volker Fockenberg (Inhaber von wildbiene.com) zeigt, dass Wildbienen wählerisch und standorttreu sein können – neue Nistplätze nehmen sie oft nur zögerlich an. Obwohl in seinem Garten bereits 76 Wildbienenarten nachgewiesen wurden, siedelten sich in einem 8 m² großen, optimal eingerichteten Sandarium innerhalb von vier Jahren nur sechs Arten an. Einige davon verschwanden wieder, weil Vögel wie Amseln oder Grünspechte die Wildbienen direkt an ihren Nestern erbeuteten. Erst ein Drahtgitter half, die Insekten besser zu schützen.

Die Bienenfauna in reinen Sandgebieten unterscheidet sich deutlich von der in lehmigen Böden. Daher ist es fraglich, ob es in Lehmgebieten sinnvoll ist, gezielt Maßnahmen für sandliebende Arten zu ergreifen.

Fazit: Der Bau eines Sandariums kann aufwendig und kostspielig sein und verbraucht wertvolle Ressourcen wie Sand. Oft wird das Ziel – der Schutz gefährdeter Wildbienen – jedoch nicht erreicht.

 



Auf einem durch Betritt von Vegetation freigehaltenen Weg hat
sich eine Population Acker-Schmalbienen (Lasioglossum pauxillum)
angesiedelt.

 

Es muss nicht unbedingt ein Sandarium angelegt werden 

Oft reicht es lückig bewachsene oder vegetationsfreie Bodenflächen zu schaffen oder zu erhalten. Derartige Flächen sollten nicht aufgelockert, gehackt oder geharkt werden! Während der Nistaktivitäten sollte der Bereich auch nur wenig oder gar nicht gegossen werden.

Unbefestigte Wege und auch gepflasterte Flächen auf sandigem Untergrund sind oft ein wertvoller Nistplatz für Wildbienen. Leider wird seit einigen Jahren unterhalb von Pflasterflächen oft Schotter oder Split eingebracht. Ein solcher Unterbau ist für Bienen undurchdringlich und verhindert deren Ansiedlung.

  

Durch breitere Fugen zwischen den Pflasterklinkern erhält diese
Bärtige Sandbiene (Andrena barbilabris) Zugang zum sandigen Untergrund.

 

Auch sehr enge Fugen verhindern die Besiedlung durch Wildbienen. Günstig für Bodennister sind Fugenbreiten von 5 bis 8 mm. Die schlüpfenden Wildbienen benutzen nicht den Gang den ihre Mutter gegraben hatte. Jede Biene gräbt sich von ihrer Brutzelle aus senkrecht nach oben. Bei großen Platten (und schmalen Fugen) kann es passieren, dass die Tiere keinen Ausgang finden und sterben. Daher sind kleinere Pflastersteine sinnvoll.

Im Winter sollten von Wildbienen und Grabwespen besiedelte Flächen nicht mit Streusalz behandelt werden, da Salz die Insekten im Boden zerfressen kann.

 

Diese Sandauswürfe stammen nicht von Ameisen, sondern von
Wildbienen 
oder solitär lebende Grabwespen.

 

 

Bau eines Sandariums

Trockene, vegetationsarme und sonnen-beschienene Sandflächen als Nisthabitat für eine Vielzahl an spezialisierten Bienen- und Einsiedlerwespenarten können auch angelegt werden. Eine solche Niststruktur wird „Sandarium“ genannt.

 



Anlage eines Sandariums vor der Trockenscheune von
wildbiene.com. Für das Sandbeet wurde der ursprüngliche Boden
50 cm tief entfernt. Damit keine Pflanzen aus den umliegenden
Beeten in die Sandfläche einwandern, wurden alte Betonplatten
als Wurzelsperre eingebaut. Anschließend wurde in die Grube
Feinsand eingefüllt.

 

Als Standort sollte ein möglichst vollsonniger Platz gewählt werden. Eine solche Fläche kann auch an einem Gebäude angelegt werden. Ein eventuell vorhandener Dachüberstand (mit Regenrinne) kann ein Sandarium vor Regen schützen. Ein Regenschutz ist nützlich aber nicht erforderlich.

 

Größe eines Sandariums 

Einige Wildbienenarten besiedeln schon Blumentöpfe, aber viele der Bodennister ignorieren sandige Flächen unter 0,5 m². Desto größer die Fläche, desto attraktiver ist sie für die meisten der bodennistenden Bienen, von denen viele Arten gerne in Kolonien leben. Da einige Bienenarten ihre Nester 50 cm tief im Boden bauen, sollte die Tiefe des sandigen Bodens auch mindestens 50 cm betragen. 

 

Hochbeet oder Grube im Boden?

In der Regel ist es einfacher den Sand auf dem vorhandenen Boden aufzubringen (Hochbeet) als eine Grube auszuheben (Foto oben) und dort Sand einzufüllen. Beim Hochbeet ist es wichtig die vorhan-dene Vegetation vor dem Ausbringen des Sandes auszugraben. Ansonsten besteht die Gefahr, das Pflanzen durch den Sand hindurch wachsen. Problematisch, insbesondere bei kleinen Sandarien, sind auch Pflanzen die unterirdisch von den Seiten her in die Sandfläche hinein wachsen. 

Bei lehmigem oder tonigem Boden, sowie bei hohem Grundwasserstand ist ein in einer Grube angelegtes Sandarium kritisch. Bei Starkregen besteht die Gefahr, dass dort vorübergehend ein Sumpfbeet entsteht. An solchen Standorten bietet sich ein Sandhochbeet an. Es kann ähnlich wie ein Gemüsehochbeet mit Holzbalken oder mit Trockenmauern eingefasst werden. Sandhochbeete bieten sich für die Umweltbildung an, da sich die Besiedler gut vom Rand aus beobachten lassen.

Die Oberfläche eines Sandariums kann als flacher Hügel oder auch flach gestaltet werden.

 

Angelieferter Feinsand. Wenn Sie das Sand-Gewicht für ein
Sandarium berechnen wollen, 
müssen Sie die Dichte von Feinsand
kennen. Etwas verdichteter Feinsand wiegt ca. 1500 kg/m³.
Der Sand kostet ca. 15 € pro Tonne zuzüglich Anlieferung.

 

Welcher Sand eignet sich?


Im Internet kursiert ein sogenannter „Förmchentest“: Lässt sich der Sand zu einem Sandkuchen formen, gilt er als geeignet. Dieser Test ist jedoch kein verlässliches Kriterium für die tatsächliche Eignung als Nistsubstrat!

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Korngröße, Humusgehalt, Dichte und Feuchtigkeit des Bodens für die Nistplatzwahl bodennistender Wildbienen von zentraler Bedeutung sind. 

Die höchste Artenvielfalt ist in Feinsand zu erwarten. Dabei handelt es sich um sehr feinen Quarzsand mit einer Korngröße zwischen 0,063 und 0,25 mm. Die Körner sind mehlfein, mit bloßem Auge aber noch erkennbar.

Der Feinsand sollte in etwa 15 cm dicken Schichten eingebracht und anschließend durch Begehen verdichtet werden. Durch die geringe Korngröße entsteht ein kompaktes, standfestes Substrat, das den Bienen das Graben erleichtert und zudem eine bessere Wärmeleitfähigkeit besitzt als lockerer Boden. Frisch eingebrachter Feinsand ist bei Trockenheit an der Oberfläche zunächst locker. Im Verlauf der Zeit siedeln sich dort Algen, Moose und Flechten an, die zur Stabilisierung der Oberfläche beitragen.

Grober, rieselnder Sand, wie er bei Sandkasten- oder Spielplatzsand vorkommt, wird nur von wenigen Wildbienenarten besiedelt. Bausand bzw. Mauersand ist ebenfalls ungeeignet: Seine groben, scharfkantigen Körner wirken beim Graben wie eine Feile und können Beine und Mandibeln der Bienen schädigen. Enthält der Sand Steine, wird der Nestbau zusätzlich erschwert, da die Tiere diese mühsam umgehen müssen.

Eine Zugabe von Lehm oder Lehmpulver ist bei der Verwendung von Feinsand nicht erforderlich. Lehmhaltige Böden neigen zu Staunässe und verhärten bei Trockenheit stark. Nur wenige Wildbienenarten sind an Lehm- oder Tonböden angepasst.

Grundsätzlich gilt: Je höher der Humusgehalt eines Bodens, desto geringer ist seine Attraktivität als Nistplatz für die meisten bodennistenden Wildbienen. Vermutlich erwarten die Bodennister in humusreichen Böden viele Wurzeln, die den Nestbau sehr erschweren können.

Bezeichnungen wie Schmiersand, Natursand oder Füllsand sind nicht eindeutig definiert. Häufig handelt es sich um kostengünstige Sande, die zum Verfüllen verwendet werden. Hinter diesen Begriffen kann sich sehr unterschiedliches Material verbergen, das je nach Zusammensetzung und Korngröße für Sandarien geeignet oder ungeeignet ist.

Falls der Baustoffhandel keinen „Feinsand“ führt, kann auch „Reitsand“ ohne Zusatzstoffe verwendet werden. Reitsand entspricht in der Regel einem Feinsand. Gegebenenfalls kann bei einer Reithalle nach einer Bezugsquelle gefragt werden.

Bei der Anlage eines größeren Sandariums können auch zwei unterschiedliche Sandtypen eingebracht werden. Eine Hälfte kann aus Feinsand bestehen, die andere aus einem etwas grobkörnigeren Sand (Korngröße etwa 1 mm), beispielsweise Schmiersand, Füllsand oder Kabelsand ohne Waschung und mit geringen Lehmanteilen. Auf diese Weise lassen sich unterschiedliche Nistsubstrate bereitstellen, die von verschiedenen Wildbienenarten genutzt werden können.

 

Neu angebrachte Nisthilfen für Hohlraumbewohner (z.B. unser
Bienenstein) werden im Frühjahr in der Regel schnell von einer
Vielzahl Mauerbienen besiedelt.
Da Bodennister recht standorttreu sind, dauert es bei neu
geschaffenen Sandarien meistens einige Jahre bis dort
reger Flugverkehr beobachtet werden kann.
Hat sich aber beispielweise eine Hosenbienen oder eine
Sandbiene angesiedelt, so können sich nach und nach
große Kolonien dieser Arten entwickeln.
Das Foto der Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) ist im Sandarium
von wildbiene.com entstanden. Im 2. Jahr hatten dort drei
Hosenbienen genistet.

 

Neben Wildbienen nisten auch harmlose solitäre Wespen
im 
Sandarium. Auf dem Foto ist die Grabwespe Crabro peltarius 
beim Eintrag einer Fliege als Larvennahrung zu sehen.

  

Sandarium bepflanzen?

Wildbienen bevorzugen vollsonnige und offene Bodenbereiche. Sandarien unter 0,5 m² sollten daher nicht bepflanzt werden. In größere Sandarien können einzelne kleinbleibende, nicht wuchernde Pflanzen wie Hauswurz, Dachwurz, Felsen-Fetthenne, Heide-Nelke oder Berg-Sandglöckchen gepflanzt werden (möglichst ohne dabei Humus einzubringen). Vereinzelte Pflanzen dienen den Bienen als Orientierung. Einige Arten nisten sogar bevorzugt in der Nähe kleiner Pflanzen. 

Mit Totholz lassen sich größere Sandarium optisch aufwerten. Gleichzeitig wird ein weiterer Lebensraum für viele Insekten angeboten. Bereits etwas morsche Weichholzstämme (z. B. Pappel, Weide) bieten selbstnagenden Wildbienen, wie Wald-Pelzbienen, Holzbienen und Blattschneiderbienen, einen Nistplatz.

 

2 Jahre nach dem Bau haben sich im Sandarium von wildbiene.com
Algen 
und kleine Moose angesiedelt und den Sand befestigt.

 

 Text und Fotos: Volker Fockenberg, www.wildbiene.com