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Biologie
Biologie

Lebensweise


Die meisten Wildbienen leben nicht in großen Staaten sondern allein. Sie werden daher auch Einsiedlerbienen genannt. Im Folgenden wird die im Siedlungsbereich häufige Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis früher Osmia rufa) vorgestellt.



Die Rostrote Mauerbiene

Familie: Blattschneiderbienen
Gattung: Mauerbienen
Art: Rostrote Mauerbiene
(Osmia bicornis früher Osmia rufa)


 
Rostrote Mauerbiene Weibchen
 
Rostrote Mauerbiene Männchen


Aussehen

Die Mauerbienen-Weibchen sind mit 9 bis 12 mm ungefähr so groß wie eine Honigbiene. Der Hinterleib der Rostroten Mauerbiene ist oberseits rotbräunlich gefärbt, läuft aber schwarz aus. Der Kopf ist dunkel gefärbt und das Bruststück bei schwärzlicher Grundfarbe graubraun behaart. Bei älteren Exemplaren verblassen die Farben allerdings meist.   Auf dem Kopfschild hat das Weibchen zwei nach vorne gerichtete Hörner auf die der wissenschaftliche Artname "bicornis" hinweist. Mauerbienen gehören zu den Bauchsammlerbienen, die den Pollen in einer speziellen "Bauchbürste" unter dem Hinterleib sammeln.

Bei Mauerbienen-Weibchen ist daher die Unterseite des Hinterleibes dicht gelbbraun behaart. Hat eine Mauerbiene fleißig Pollen gesammelt, ist die Farbe der Bauchbürste allerdings nicht mehr zu erkennen. Wie bei vielen Wildbienenarten sehen auch bei den Rostroten Mauerbienen die Männchen anders aus als die Weibchen. Männchen unterscheiden sich durch längere Fühler, eine hellere Gesichtsbehaarung (als ob sie einen weißlichen Bart hätten) und der meist geringeren Körpergröße deutlich von den Weibchen. Zudem sammeln alle Wildbienen-Männchen keinen Pollen und besitzen daher auch keine Sammelvorrichtungen.


 
Bauchsammlerbiene: Die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) sammelt Pollen in einer Bürste unter dem Hinterleib
 
Beinsammlerbiene: Die Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) sammelt Blütenstaub (mehr als 40 Milligramm) in einer
Bürste an den Hinterbeinen


Verbreitung und Lebensraum


Die Rostrote Mauerbiene kommt überall in Deutschland vor und lebt bevorzugt in unseren Gärten und Parks. Bei der Nistplatzwahl erweist sich die Art als ausgesprochen vielseitig. Neben Käferfraßgängen in besonnten, morschen Bäumen sowie in alten, unbehandelten Holzschuppen sind zum Beispiel auch Schilfmatten, Löcher im Verputz von Hauswänden, Türschlösser, Fensterrahmen, Löcher von Gartenstühlen und Gummischläuche begehrte Nistplätze. Auch bei ihren Nahrungspflanzen ist die Mauerbiene nicht besonders wählerisch ist. So wird Pollen und Nektar beispielsweise von Obstbäumen, Brombeeren, Himbeeren, Rosen, Weiden, Raps, Klee und Taubnesseln genutzt. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit ist die Rostrote Mauerbiene ist im Siedlungsbereich die wohl häufigste solitäre Biene und gehört auch zu den ersten Besiedlern von Nisthilfen.

Mauerbienen können auch anhand ihrer Nester nachgewiesen werden. Der Nesteingang hat meistens eine Weite von 5 bis 10 mm und wird mit einem rauen Mörtelverschluss verschlossen, der gelblich (Lehm) bis gräulich (Ton) gefärbt ist.

  
Deutlich sind die Nestverschlüsse einer Rostroten Mauerbiene (links) und einer Scherenbiene (rechts) zu unterscheiden.


Fortpflanzung und Entwicklung

Von Anfang April bis in den Juni hinein können wir Mauerbienen antreffen. Die vor den Weibchen aktiven Männchen sammeln sich bevorzugt an den Nistplätzen und erwarten die dort schlüpfenden Weibchen, um sich mit Ihnen zu paaren. Nach der Begattung suchen die Weibchen geeignete Hohlräume (siehe Lebensraum) um dort ihre Nester zu errichten. Die Männchen beteiligen übrigens nicht an diesen Arbeiten.

Blick in eine frisch verschlossene Brutzellen der Rostroten Mauerbiene

Etwa 3 Tage nach der Eiablage schlüpft eine augen- und beinlose Larve. Durch Mutters Brutfürsorge braucht sie keinen Hunger leiden. Nach 3 bis 4 Wochen hat die Larve das Bienenbrot aufgefressen. Dann spinnt die Bienenlarve einen festen, tönnchenförmigen dunkelbraunvioletten Kokon indem sie sich verpuppt. Anfang September schlüpft die junge Biene, bleibt aber bis zum Flugbeginn im April des folgenden Jahres im schützenden Kokon.

Blick in ein Nest mit Larven (links) und Puppen (rechts). Auffällig ist die unversorgte Zelle
zwischen der letzten Brutzelle und dem Nestverschluss. Diese so genannte Leerzelle bietet den
Bienenkindern Schutz vor Feinden. So erbeuten Meisen nach Aufhacken des Nestverschlusses
keine fette Bienenmade sondern "gucken in die Röhre".

Im Frühjahr nagen sich die Bienen durch Kokon und Lehmwände. Die Männchen schlüpfen einige Tage vor den Weibchen. Daher hat die Bienenmutter bereits beim Bau des Liniennestes dafür gesorgt, dass sich in den vorderen Brutzellen (Nestausgang) Männchen und in den hinteren Brutzellen Weibchen entwickeln. Bienen können das Geschlecht bei der Eiablage bestimmen: Aus unbefruchteten Eiern entwickeln sich Männchen, aus befruchteten dagegen Weibchen. Während ihrer nur ca. 4 bis 6 wöchigen Flugzeit, baut ein Mauerbienen-Weibchen ungefähr 10 bis 30 Brutzellen.


In unserem Artenlexikon finden Sie weitere Informationen zur Gattung der Mauerbienen und weitere Mauerbienen-Arten.