Startseite


Das Arten-Lexikon

  Die Gattung Halictus - Furchenbienen
  

26 Arten im Gebiet (D: 17; A: 26; CH: 17).
Diese Gattung unterscheidet sich von der nah verwandten Gattung (Lasioglossum nur durch Ausbildung und Lage der hellen Hinterleibsbinden sowie durch unterschiedlich starke Entwicklung gewisser Flügeladern.
7-15 mm. Von schwarzbrauner oder metallischer, selten schwarz-roter Körpergrundfarbe. Während die Halictus-Arten an den Endrändern der Hinterleibstergite stets deutliche helle Haarbinden oder Seitenflecken aufweisen, sind diese bei Lasioglossum an der Basis der Tergite ausgebildet oder fehlen ganz. Zwei mitteleuropäische Halictus-Arten mit dicht filzig behaartem Hinterleib. Die Vertreter beider Gattungen im weiblichen Geschlecht durch eine schmale Längsrinne („Furche“ > Deutscher Name) auf dem letzten Hinterleibstergit unverkennbar. Im männlichen Geschlecht durch langgestreckten und schmalen Körper, lange Fühler sowie meist hell gefleckten Kopfschild ausgezeichnet. Mit Ausnahme einiger weniger großer Arten können Furchenbienen im Feld nicht bis auf die Art bestimmt werden. Bestimmungsliteratur: Schmiedeknecht (1930), wo jedoch die östlichen Arten Mitteleuropas fehlen; Ebmer (1969-1974, 1987).
Flugzeit: III-X. Aufgrund ihres speziellen Lebenszyklus können die einzelnen Arten während eines Grossteiles des Sommerhalbjahres als Imagines angetroffen werden. Die ♀♀ beginnen im Frühling nach der Überwinterung mit dem Brutgeschäft. Geschlechtsreife ♀♀ und ♂♂ schlüpfen bereits im Sommer oder Spätsommer des gleichen Jahres aus den Nestern und verpaaren sich. Während die ♂♂ noch vor Einbruch des Winters sterben, überwintern die begatteten ♀♀ an einem geschützten Ort wie zum Beispiel in Erdspalten, in selber gegrabenen Löchern oder im Geburtsnest. In der Regel nur eine Generation im Jahr, vereinzelte Arten mit zwei Generationen.
Selbstgegrabene, 5-60 cm tiefe Nester im Boden an ebenen bis stark geneigten, vegetationslosen bis lückig bewachsenen Stellen. Einige Arten nisten bevorzugt in lockerem Sand. Die mehr oder weniger horizontal orientierten Brutzellen liegen je nach Art entweder einzeln am Ende von Seitengängen, die rechtwinklig von einem senkrechten Hauptgang abzweigen, münden direkt in den gelegentlich verzweigten Hauptgang oder sind zu mehreren dicht gedrängt in einer Wabe angeordnet, welche oft von einem Hohlraum umgeben und nur mit dünnen erdigen Stützpfeilern mit dem angrenzenden Bodensubstrat verbunden ist. Der Hohlraum rund um die Wabe schützt die Brutzellen wahrscheinlich vor eindringender Feuchtigkeit. Die starke Verengung des Nesteinganges sowie der sich bis weit unter das Niveau der untersten Brutzelle fortsetzende Hauptgang sind charakteristische Merkmale von Furchenbienen-Nestern. Bei mehreren Arten setzt sich der Nesteingang als gerade Röhre über die Erdoberfläche fort. Die Larven spinnen keinen Kokon. Nester oft in Kolonien. Innerhalb beider Gattungen gibt es sowohl solitäre als auch soziale Arten, wobei die Sozialstruktur zahlreicher mitteleuropäischer Arten noch völlig unbekannt ist. Während eine kommunale Nistweise bisher nur bei H. sexcinctus und L. villosulum nachgewiesen wurde und eine semisoziale Lebensweise bei mitteleuropäischen Furchenbienen nur als Übergangsstadium auftritt, ist die Mehrheit der sozialen Halictus- und Lasioglossum-Arten Mitteleuropas primitiv eusozial. Ihre Staaten sind einjährig und bestehen auch auf dem Höhepunkt der Kolonieentwicklung aus in der Regel höchstens wenigen Dutzend Arbeiterinnen. Die morphologischen Kastenunterschiede zwischen Königin und Arbeiterinnen sind gering. Bei den primitiv eusozialen Arten verproviantiert und bestiftet das überwinterte und begattete ♀ (Königin) im Frühling mehrere Brutzellen, verschließt danach das Nest von innen und wartet das Schlüpfen der ersten Nachkommen ab, bei denen es sich ausschließlich oder größtenteils um ♀♀ handelt. Während die unbegatteten Töchter (Arbeiterinnen) nach ihrem Schlüpfen gemeinsam neue Zellen für die zweite Brut ausschachten, Pollen und Nektar sammeln und bei einigen Arten den Nesteingang bewachen, belegt die Königin, die das Nest fortan nicht mehr verlässt, die vorbereiteten Brutzellen mit Eiern. Danach wird das Nest erneut verschlossen, bis im Sommer desselben Jahres geschlechtsreife ♀♀ und ♂♂ schlüpfen und sich verpaaren. Je nach Art und geografischer Lage können vor der Erzeugung der Geschlechtstiere im Spätsommer noch eine oder zwei weitere Arbeiterinnenbruten produziert werden. Andererseits können normalerweise primitiv eusoziale Arten in Gebieten mit kurzen Sommern zu einer solitären Nistweise übergehen. Bei sozialen Arten, bei denen die begatteten ♀♀ im Geburtsnest überwintern, kommt es häufig zu einer Nestgründung durch mehrere ♀♀ (Polygynie), wobei sich auch hier stets eine Arbeitsteilung zwischen einer dominanten Königin und einem oder mehreren HilfsL. marginatum, welche als weltweit einzige bekannte Furchenbiene mehrjährige Staaten ausbildet.
Pollentransporteinrichtung: Haarbürste an Hinterschiene und -ferse sowie Körbchen auf der Unterseite des Hinterschenkels. Ein Teil des Pollens wird zusätzlich an den Seiten des Mittelsegmentes sowie auf der oft stark behaarten Unterseite des Hinterleibes transportiert. Die mitteleuropäischen Arten sind, soweit bekannt, alle polylektisch.
Die ♂♂ schwärmen auf der Suche nach paarungswilligen ♀♀ an Nistplätzen und um Pflanzen. Sie schlafen einzeln oder in kleinen Gruppen in Erdspalten, in verlassenen Nestgängen oder frei auf Pflanzenteilen.
Brutparasiten sind Kuckucksbienen der Gattung Sphecodes sowie gewisse Nomada- Arten.

  
    Autor: Volker Fockenberg online seit:  April 2005   



Halictus pollinosus  Sichel  1860   
    Gattung: Halictus    
Species: pollinosus
Synonyme: -
dt. Bezeichnung: -
Gefährdung CH:    - Legende
Gefährdung D:

n.

Legende
weitere Bilder
    Kennzeichen:
  

8-9 mm. Durch die filzig graugelbe Behaarung des Hinterleibes, welche beim ♀ den gesamten Hinterleib einnimmt, beim ♂ dagegen nur auf den apikalen und basalen Tergiträndern ausgebildet ist, einzig mit H. tectus zu verwechseln. Letztere Art ist mit einer Körperlänge von 7 mm jedoch deutlich kleiner und kommt im Gebiet nur im östlichen Österreich und im Wallis vor.

  
Biologie:

Besucht für die Pollen- und Nektaraufnahme sehr gerne Korbblütler (Asteraceae).

Vorkommen:       weitere Infos

Selten, kann an günstigen Stellen jedoch höhere Populationsdichten erreichen.

  in A:

Burgenland, Niederösterreich. Die Art befindet sich momentan stark in Ausbreitung und hat vermutlich erst vor wenigen Jahren von Westen her Rheinland-Pfalz erreicht.

  in D:

RheinlandPfalz.

    Autor: A. Müller, A. Krebs, F. Amient online seit:  April 2005      
Halictus quadricinctus  (Fabricius 1776)   
    Gattung: Halictus    
Species: quadricinctus
Synonyme: -
dt. Bezeichnung: -
Gefährdung CH:   

3

Legende
Gefährdung D:

3

Legende
weitere Bilder
    Kennzeichen:
  

13-16 mm. ♀ durch Grösse sowie die mitten deutlich verschmälerten bis unterbrochenen Hinterleibsbinden unverwechselbar. ♂ dank dem nach hinten auffällig breiter werdenden Hinterleib einzig mit der nur im östlichen Österreich vorkommenden Art H. brunnescens zu verwechseln.

  
Biologie:

Nistet bevorzugt in Steilwänden und Abbruchkanten, oft in kleinen bis grösseren Kolonien. Die Brutzellen sind zu 5-20 dicht nebeneinander in einer Wabe angeordnet, welche von einem Hohlraum umgeben und am Ende eines Hauptganges angelegt ist. Solitär. ♀♀ sind langlebig, bewachen das Nest bis zum Schlüpfen ihrer Nachkommen und leben danach einige Wochen mit ihnenzusammen. Obwohl polylektisch, besucht die Art bevorzugt Korbblütler (Asteraceae). Kuckucksbiene: wahrscheinlich Sphecodes gibbus.

Vorkommen:       weitere Infos

Selten. Im Gebiet keine Verbreitungsgrenze.

    Autor: A. Müller, A. Krebs, F. Amient online seit:  April 2005      
Halictus rubicundus  (Christ 1791)   
    Gattung: Halictus    
Species: rubicundus
Synonyme: -
dt. Bezeichnung: -
Gefährdung CH:    n. Legende
Gefährdung D: n. Legende
weitere Bilder
    Kennzeichen:
  

8-11 mm. ♀ durch rotbraun behaarte Brust, linienschmale weisse Hinterleibsbinden sowie rotgelb gefärbte Hinterschienen und -tarsen bereits im Feld leicht kenntlich. ♂ im Gelände kaum von ähnlichen Arten zu unterscheiden.

  
Biologie:

Nistet sowohl in Steilwänden als auch an ebenen, vegetationsarmen Stellen, oft in kleineren Kolonien. Die Brutzellen münden direkt in den Hauptgang. Primitiv eusozial mit einer Arbeiterinnenbrut. Nester in der Regel mit Wächterin. In hohen Lagen mit kurzen Sommern geht die Art zu einer solitären Nistweise über. Kuckucksbiene: Sphecodes gibbus.

Vorkommen:       weitere Infos

Verbreitet. Im Gebiet keine Verbreitungsgrenze. Kommt vom Tiefland bis in die alpine Stufe vor.

    Autor: A. Müller, A. Krebs, F. Amient online seit:  April 2005      
Halictus scabiosae  (Rossi 1790)   
    Gattung: Halictus    
Species: scabiosae
Synonyme: -
dt. Bezeichnung: -
Gefährdung CH:   

3

Legende
Gefährdung D:

3

Legende
weitere Bilder
    Kennzeichen:
  

12-15 mm. ♀ und ♂ unterscheiden sich im frischen Zustand von H. sexcinctus und ähnlich grossen Arten durch ockergelbe Hinterleibsbinden und eine auffällige Filzbehaarung an der Basis der Tergite. Im abgeflogenen Zustand dagegen im Feld nicht sicher zu bestimmen.

  
Biologie:

Nistet bevorzugt an ebenen bis schwach geneigten, vegetationsarmen Stellen, teilweise in grösseren Kolonien. Die Brutzellen münden direkt in den Hauptgang. Primitiv eusozial mit polygyner Nestgründung und, je nach geografischer Lage, zwei oder mehr Arbeiterinnenbruten. Die Königin vertreibt die Hilfs-♀ vor dem Schlüpfen der Arbeiterinnen. Nester in der Regel mit Wächterin. Besucht mit Vorliebe Korbblütler (Asteraceae).

Vorkommen:       weitere Infos

Selten.

  in A:

Burgenland, Steiermark.

  in CH:

In allen Landesteilen, nördlich der Alpen jedoch nur vereinzelt.

  in D:

Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz.

    Autor: A. Müller, A. Krebs, F. Amient online seit:  April 2005      
Halictus sexcinctus  (Fabricius 1775)   
    Gattung: Halictus    
Species: sexcinctus
Synonyme: -
dt. Bezeichnung: -
Gefährdung CH:   

3

Legende
Gefährdung D:

3

Legende
weitere Bilder
    Kennzeichen:
  

13-16 mm. Im Gebiet mit Ausnahme des östlichen Österreichs, wo weitere ähnlich grosse Arten mit durchgehend gleich breiten Tergitendbinden vorkommen, nur mit H. scabiosae zu verwechseln. Von letzterer Art im frischen Zustand durch weisslichgelb gefärbte Hinterleibsbinden sowie nur schwach ausgeprägte Filzbehaarung an derBasis der Tergite zu unterscheiden.

  
Biologie:

Nistet sowohl in Steilwänden als auch an ebenen, vegetationsarmen Stellen, oft in Kolonien. Die Brutzellen liegen einzeln am Ende von 1-2 cm langen Seitengängen. Solitär, gelegentlich kommunal. ♀♀ sind langlebig und erleben das Schlüpfen ihrer Nachkommen. Sammelt Pollen und Nektar häufig auf Korbblütlern (Asteraceae). Kuckucksbiene: wahrscheinlich Sphecodes gibbus, eventuell auch S. albilabris.

Vorkommen:       weitere Infos

Verbreitet. Im Gebiet keine Verbreitungsgrenze, bevorzugt aber sandigen Boden.

    Autor: A. Müller, A. Krebs, F. Amient online seit:  April 2005      
Halictus subauratus  (Rossi 1792)   
    Gattung: Halictus    
Species: subauratus
Synonyme: -
dt. Bezeichnung: -
Gefährdung CH:    3 Legende
Gefährdung D: n. Legende
weitere Bilder
    Kennzeichen:
  

7-8 mm. Im Feld nicht mit Sicherheit von anderen metallisch glänzenden Halictus-Arten zu unterscheiden. Bei einer mittelgrossen, ausgeprägt goldig schimmernden Halictus-Art mit grünen Augen dürfte es sich jedoch meist um H. subauratus handeln.

  
Biologie:

Nistet meist in kleineren Kolonien vorwiegend an ebenen und vegetationsarmen, oft sandigen Stellen. Die direkt mit dem Hauptgang in Verbindung stehenden Brutzellen werden wabenartig gruppiert und in feuchtem Boden durch einen Hohlraum vom angrenzenden Substrat getrennt. Primitiv eusozial mit einer Arbeiterinnenbrut. Kuckucksbiene: Sphecodes cristatus.

Vorkommen:       weitere Infos

Verbreitet. Die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft von der Ostseeküste in südwestlicher Richtung durch das mittlere Westdeutschland.

    Autor: A. Müller, A. Krebs, F. Amient online seit:  April 2005      
    Autor: Volker Fockenberg © www.wildbiene.com online seit: 16. Dezember 2017